Isoflavone in Soja: Fluch oder Segen?

Isoflavone in Soja: Fluch oder Segen?
© CANVA @artstudio7

„Frankreich will Soja aus Schulkantinen verbannen!“ „Isoflavone greifen in den Hormonhaushalt ein!“

Solche Schlagzeilen sorgen schnell für Verunsicherung. Wenn ein Land scheinbar Alarm schlägt – sollte man dann besser ganz auf Sojaprodukte verzichten?

Schauen wir uns das genauer an.


Was sind Isoflavone überhaupt?

Isoflavone gehören zu den sogenannten Phytoöstrogenen. Das sind pflanzliche Verbindungen, die unserem körpereigenen Östrogen strukturell ähneln.

Sie kommen natürlicherweise vor in:

  • Soja und Sojaprodukten (Tofu, Sojadrink, Tempeh)
  • Leinsamen
  • Getreide
  • Hopfen
  • roten Trauben

Am besten untersucht sind die Isoflavone aus Soja – genau diese stehen aktuell im Fokus der Diskussion.


Warum warnt die französische Behörde vor Soja?

Die französische Behörde ANSES (Agence nationale de sécurité sanitaire) äußerte Bedenken bezüglich der Aufnahme von Isoflavonen – insbesondere bei Kindern, Schwangeren und Frauen im gebärfähigen Alter.

Als „sicher“ wird dort eine tägliche Aufnahme von 0,01 mg Isoflavone pro kg Körpergewicht angegeben.

Für eine 70-kg-Person wären das 0,7 mg pro Tag.

Zum Vergleich:

  • 100 g Tofu enthalten etwa 37 mg Isoflavone
  • 100 ml Sojadrink enthalten etwa 10–12 mg

Auf den ersten Blick wirkt das dramatisch – denn diese Mengen liegen deutlich über dem genannten Grenzwert.


Woher stammen diese Grenzwerte?

Ein genauer Blick in die Quellen zeigt: Die Einschätzung stützt sich unter anderem auf ältere Tierstudien.

In einer dieser Studien erhielten männliche Ratten isolierte Isoflavone in hoher Dosierung. Dabei wurde eine Veränderung des Brustdrüsengewebes beobachtet.

Wichtig ist jedoch:

  • Es handelte sich um isolierte Isoflavone, nicht um Sojaprodukte.
  • Es waren Tierstudien, keine Humanstudien.
  • Positive Studienergebnisse zu möglichen gesundheitlichen Vorteilen wurden laut Hinweis der Behörde nicht berücksichtigt.

Das relativiert die Schlagzeile deutlich.


Soja und Hormone – was sagt die Wissenschaft?

Isoflavone wirken im Körper nicht wie klassisches Östrogen. Sie können – je nach Situation – sowohl schwach östrogenartig als auch antiöstrogen wirken.

Studien am Menschen zeigen unter anderem:

  • mögliche positive Effekte auf Wechseljahresbeschwerden
  • günstige Einflüsse auf Cholesterinwerte
  • potenziell protektive Wirkungen im Herz-Kreislauf-Bereich

Die tatsächliche Wirkung hängt von vielen Faktoren ab – etwa Darmmikrobiom, Lebensphase und individueller Stoffwechsellage.

Eine pauschale Verteufelung von Soja ist aus aktueller wissenschaftlicher Sicht jedenfalls nicht gerechtfertigt.


Wie viel Soja ist sinnvoll?

Entscheidend ist – wie so oft – die Menge und der Kontext.

Gelegentlicher bis moderater Konsum von Sojaprodukten im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung gilt für gesunde Erwachsene nach aktueller Datenlage als unproblematisch.

Extreme Mengen oder isolierte Nahrungsergänzungsmittel sind hingegen differenziert zu betrachten.


Fazit: Fluch oder Segen?

Soja ist weder Wundermittel noch Hormonbombe. Schlagzeilen vereinfachen komplexe Zusammenhänge – und genau deshalb lohnt sich ein zweiter Blick.

🎧 Wie die Studienlage im Detail aussieht, was du konkret aus der ANSES-Bewertung ableiten kannst, wie viel Soja im Alltag realistisch ist und welche Personengruppen genauer hinschauen sollten, erfährst du in Folge 053 der Bauchdetektivgeschichten:

„Isoflavone in Soja: Fluch oder Segen?“

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